Ein Sohn Jamaikas

page6Bevor ich mich vorstelle, möchte dem Allmächtigen danken, mich zu diesem Schritt inspiriert zu haben, so dass ich Eure Aufmerksamkeit erwecken kann und ich hoffe, dass Ihr alle dabei helft, die Welt mit Liebe und Wohlstand zu gestalten!

Mein Name ist Errol Harvey. Ich bin auf einer kleinen Farm umgeben von den Ländereien dreier Großgrundbesitzer im Südosten Jamaikas geboren, im kleinen Ort Cheesefield in St. Catherine. Der Ertrag der Farm reichte nicht für den Unterhalt meiner ganzen Familie. So waren wir, wie auch andere Menschen im Ort und aus Nachbardörfern darauf angewiesen, für die Großgrundbesitzer zu arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich sah, wie einige meiner Gefährten zur Schule gingen und andere ihre Eltern begleiteten, um auf dem Land zu arbeiten. Mir war früh bewusst, dass man ohne eine gute Ausbildung keine Alternative hatte. Meine Eltern konnten mir keinen Schulbesuch ermöglichen und ich weigerte mich, für einen Großgrundbesitzer arbeiten. Ich war sehr durcheinander und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich begann, auf unserer Farm Feldfrüchte und andere Nahrungsmittel anzubauen.

Eines Tages traf ich einen Rastaman, er fragte mich, ob ich „Brock Way“, einen Berg jenseits meines Ortes, kennen würde und sagte, dass er dort Landwirtschaft betreiben wollte. Er sprach davon, schon mit anderen Farmern, Rasta Bredrins, geplant zu haben, dass sie ihm helfen, das Land zu bearbeiten und fragte mich, ob ich mich ihnen anschließen wollte. Ich war einverstanden. Als ich am besagten Ort ankam, sah ich, dass Menschen auf natürliche Art und Weise leben konnten, unabhängig davon, Lebensmittel oder Kleidung in einem Geschäft zu kaufen. An jenem Tag beschloss ich, mit den Rasta Bredrins zusammen zu leben und kehrte nicht zu meiner kleinen Farm zurück. So verbrachten wir eine Weile zusammen, bis es dazu kam, dass Soldaten die Farmer aus den Bergen vertrieben, denn sie wurden verdächtigt, Marihuana anzubauen, was illegal war. Das machte mich sehr traurig, denn viele Rastafari Bredrins wie ich haben nicht in den Bergen gelebt, um mit dem Anbau von Marihuana Geld zu verdienen. Wir wollten im Einklang mit der Natur leben.

Ich kehrte zu meiner kleinen Farm zurück, fühlte mich jedoch wie ein Fremder im Ort. Ich hörte vom „Land Lease“ Programm und bat die jamaikanische Regierung um ein Stück Land. Ich erhielt zwei Hektar entfernt am Fuße eines Berges in der Umgebung. Dort lebte ich nun und setzte all meine gesammelten landwirtschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen in die Tat um. Meine Arbeit wurde zum Gespräch im Ort und Dorfbewohner, denen es an Nahrungsmitteln mangelte, kamen zu mir und erhielten ohne Bezahlung was sie wünschten. Die Heranwachsenden kamen zu mir, ich lehrte sie, Land zu bewirtschaften und sie begannen mit einem eigenen Anbau. Es kam zum Regierungswechsel und das Land fiel zurück an Großgrundbesitzer. Somit musste ich meine Farm aufgeben.

Bei einer „Nyabinghi“ Versammlung traf ich Rasta Bredrins von der Nordküste aus Ocho Rios. Durch sie kam ich zu dem Restaurant „Jungle Lobster House“, gelegen unter der „White River Bridge“, wo ich fortan arbeitete. Ich lernte die Zubereitung vieler verschiedener Gerichte und bediente auch die Gäste, stets darauf bedacht, dass sie sich bei uns wohlfühlten. Bei ihnen war ich unter dem Namen Jah P bekannt. Ich lernte einen Feriengast kennen, der mich für die gute Behandlung auf einen Besuch nach Deutschland einlud. Es gefiel mir in Deutschland und ich bin geblieben.

Ich lebe seit einigen Jahren hier. Während dieser Zeit habe ich als DJ gearbeitet, Konzerte und Partys in ganz Deutschland sowie in Nachbarländern organisiert, stets bestrebt, die jamaikanische Kultur bekannter zu machen und dabei zu helfen, die Lebensbedingungen der in Armut lebenden Menschen in Jamaika zu verbessern. Aufgrund meiner guten Absicht und Arbeit wurde ich von dem Unternehmen „L.I.V.E. LIBRARY GmbH“ ausgewählt, Jamaika auf einer internationalen Veranstaltung mit dem Titel „Dialogue with the World“ 1994 in Frankfurt zu repräsentieren, um durch kulturellen Austausch Völkerverständigung und Frieden zu fördern. Während ich von Stadt zu Stadt unterwegs war, um Konzerte und Partys zu veranstalten, war ich dauerhaft im „Star Club“ in Mülheim an der Ruhr am ersten Freitag des Monats mit meinen Events vertreten. Meine Gestaltung der Events unterschied sich von anderen Veranstaltern. Im oberen Teil des Clubs fanden Live Konzerte statt und zeitgleich gab es im unteren Teil eine Performance mit Jugendlichen, die zu den Riddims von Soundsystemen sangen und toasteten bis in die frühen Morgenstunden. Ich ermutigte junge Leute DJ zu werden, auch wenn sie keinerlei Erfahrung hatten und befürchteten, die Party zu verderben. Ich traf die Auswahl der Platten und bezahlte sie dafür, sie zu spielen. Auch habe ich Jugendliche in Bands gebracht und Auftritte für sie organisiert. Heute sind einige von ihnen als DJs und Sänger bekannt, manche haben ihr eigenes Soundsystem. Ich weckte das Interesse an meinen Events dadurch, dass ich, wenn ich Flyer verteilte, anbot, das Mikrofon zum Singen zu reichen. Es wurde weitererzählt und ich sah, dass die Veranstaltungen sehr gut bei den Leuten ankamen, denn jeden ersten Freitag im Monat kamen mehr, jung und alt.

Ich sagte mir, um die Fans zu halten und mehr Leute anzulocken, musste ich mir etwas besonderes für die Partys einfallen lassen. Gleichzeitig wollte ich etwas auf den Weg bringen, das dazu beitragen kann, die von Armut geprägten Lebensverhältnisse vieler Menschen in Jamaika zu verbessern. So habe ich die “All Age Reggae Talent Show” Idee erdacht. Sie besteht darin, dass die Teilnehmer einen Song einstudieren und in der Show damit auftreten. Eine Jury wählt aus den Darbietungen die beste aus und kürt einen Gewinner. In einem Finale treten die Gewinner aus allen Shows an und der daraus hervorgehende Champion erhält die Möglichkeit, seinen Song aufzunehmen und zu vermarkten. Am fünften März 2002 traf ich den Mülheimer Bürgermeister in seinem Büro und übergab ihm die Ausführung meiner Idee. Nachdem er sie gelesen hatte, nannte er es eine sehr gute Idee. Ich erklärte, welche Bedeutung die “Talent Show” hat, zum einen die Förderung junger Talente und zum anderen die Unterstützung der Not leidenden Bevölkerung Jamaikas. Er teilte mir mit, dass die Stadt keine Hilfe zur Umsetzung der “All Age Reggae Talent Show” geben könnte. Ich wandte mich auch an die damalige jamaikanische Botschafterin in Deutschland Frau Marcia Gilbert-Roberts, an das “Jamaican Ministry of Education and Culture” und “Ministry of Foreign Affairs and Foreign Trade” mit der Bitte um Unterstützung, doch niemand hat in irgendeiner Weise geholfen, meine “All Age Reggae Talent Show” Idee umzusetzen. Dass ich trotz all meiner Anstrengungen keine Hilfe bekam, war sehr enttäuschend für mich. Es war mir nur möglich, die “All Age Reggae Talent Show” zweimal für meine Fans zu veranstalten.

Seit jener Zeit habe ich aufgehört, Konzerte und Partys zu organisieren, doch bis heute fragen mich Leute, wann wieder ein Event stattfindet. Das und die schlechten Lebensbedingungen vieler Menschen Jamaikas haben zu meiner Motivation beigetragen, die NGO „Center of Jamaican Culture & Development UG” zu gründen, um dabei zu helfen, soziale Missstände zu beheben und mit Eurer Unterstützung können wir viel erreichen.

Fortsetzung folgt …

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